Radwegparker: Luft rauslassen straffrei?

Stadtwaldplatz

Essen, 01. April 2016 – Zu großen Diskussionen hat der Vorschlag geführt, dass durch Falschparker behinderte Radfahrer demnächst zur Selbsthilfe greifen können. „Das wäre eine große Chance“, so Helmut Hustenreuther, Radaktivist aus der Landeshauptstadt Düsseldorf. „Die Städte haben immer weniger Personal zur Verkehrsüberwachung. Wenn ein Autofahrer ein oder zwei Mal einen Platten hat, wird er von selbst nicht mehr auf dem Radweg parken.“.

Kritisch gesehen wird, dass die Radverkehrsanlagen so länger blockiert bleiben. Einen Paketauslieferer baten wir um ein Statement, nachdem er auf dem Radweg hielt: „Wir haben doch heute keinen Ersatzreifen mehr an Bord. Wenn ich einen Abschleppdienst rufe, dauert es mindestens eine Stunde. So bin ich in zwei bis drei Minuten wieder weg“.

Auch in Essen gibt es häufig Probleme mit Falschparkern auf Radverkehrsanlagen. Schwerpunkte sind beispielsweise das Gebiet um den Stadtwaldplatz, das Südviertel oder Altenessen. Autofahrer haben hier wenig zu befürchten, denn von den Verkehrsaufseherstellen im Ordnungsamt ist nur die Hälfte besetzt. Jeden Morgen warten die Verkehrsaufseher zudem lange um die Schulbushaltestelle am Rüttenscheider Schwimmbad freischleppen zu lassen. Zeit, die sie für andere Orte nicht mehr haben.

 

Brötchen-, Apotheken- Liefer- und andere Minutenparker brauchen bislang wenig Konsequenzen zu fürchten. Für die Polizei sind sie als „Ruhender Verkehr“ nicht im Fokus und das Ordnungsamt ist meist außer Sicht. Selbst wenn es aber zu einem Knöllchen kommt, so fällt es nicht viel höher aus als drei Mal regulär Parkgebühren zu zahlen. Zum Vergleich: Wird man beim schwarzfahren im Zug erwischt (auch, weil man mit dem Automat nicht klar kam) zahlt man heute mit 60 EUR ein Vielfaches.

Aufgrund dieser Situation lag die Idee nicht fern, mehr Autofahrern aufzuzeigen, dass es sich nicht um ein Kavaliersdelikt handelt und in Zukunft dazu zu bewegen eine solche gefährliche Tat zu unterlassen.

Noch einmal Hustenreuther: „Man kann auch den Reifen nur halb entleeren. Mit einem entsprechendem Warnaufkleber ist der Autofahrer zwar schnell vom Radweg verschwunden, hat aber trotzdem so viel Stress mit der Situation, dass er es sich das nächste Mal genau überlegt, den Radfahrstreifen eigenmächtig als Parkstreifen zu nutzen.“ Hustenreuther hofft, dass diese zusätzliche Sanktion für Falschparker bald schon legal möglich sein wird.

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